Sonntag, Dezember 16, 2007

Leutasch-Video


Das war ein kleiner Test, wie das so mit den Videos Einstellen funktioniert. Geht mindestens so einfach wie mit den Bildern, man braucht nur ein bisschen mehr Geduld wegen der langen Ladezeit ;-) Aber geht das auch größer...?

Tja, das war Leutasch vor einem Monat, schwärm...

Auf dem Weg zum Lago werden wir in Leutasch einen Loipencheck einlegen.
Inzwischen sind ja alle Strecken gespurt. Für mich kommen nur die flachen in Frage - ganz vorsichtig natürlich. Bei nicht griffigen Verhältnissen lasse ich es bleiben.

Vielleicht fällt ja auf dem Monto Bondone noch ein wenig Schnee, dann könnten wir dort auch mal vorbeigucken...

Gute Nacht,
Doppelflocke

Montag, November 26, 2007

Krimidinner

Letzten Freitag überraschte ich Schneemännchen mit einem Krimidinner im Schlosshotel Pommersfelden. Bei der Sonnenblumen-Ausfahrt hatten wir vom Sonnenblumenfeld direkt einen Blick auf das Schloss. Ich recherchierte damals im Internet und fand unter Events das Angebot eines Krimidinners mit Übernachtung und buchte bereits im August diesen Abend.

Die Überraschung ist mir gelungen und Schneemännchen hat es ganz arg gut gefallen! Mir naürlich auch :-)

Am Samstag schauten wir in Strullendorf beim Crossrennen vorbei, da wir ja eh schon in der Nähe waren. Im Hobby-Rennen der Herren lieferte sich Alfons D. ein hartes Duell und wir feuerten ihn begeistert an. Leider musste sich Alfons im Schlusssprint geschlagen geben. Auch Werner St. lieferte sich ein Duell um den 5. Platz. Wir wurden sogar Zeuge einer Ellenbogen-Aktion... Letztlich konnte sich Werner durchsetzen. Thomas W. landete einen hervorragenden Platz im Mittelfeld noch vor einigen namhaften Fahrern. Einzig Peter T. war dieses Jahr nur als Zuschauer / Support vor Ort und Christian D. fehlte ebenfalls beim Team Langenzenn.

Das Amateur-Rennen war beeindruckend. Man hatte den Eindruck, die fahren Motorrad... Einige Stürze gab es auch, manche riskierten einfach zu viel in der Kurve.

Ein Blick in die Starterliste... Wir waren natürlich für OLE Quast :-) (Bild oben). Er war einer der Favoriten, aber es langte "nur" für Platz 4. Hier alle Ergebnisse.
Schneeflocke

Sonntag, November 18, 2007

Schneeflocke und Schneemann auf Schneesuche...


Die ganze Woche wurden schon die Loipen gecheckt. Immer mehr gespurte km kamen dazu.
Am Freitag Nachmittag ein Anruf: Alle Loipen in Leutasch gespurt! Ok, was tun? Wir wollten am Samstag eigentlich bei einem Umzug helfen und so ein Van ist mit Sicherheit ein willkommener Tansporter. Aber unter diesen "Umständen" ging es einfach nicht anders und die Unvernunft siegte. Ich sagte unsere Umzugshilfe ab und buchte ein Zimmer in Leutasch von Samstag auf Sonntag.
Abfahrt Samstag 6 Uhr. Je südlicher wir kamen, desto kälter wurde es. In Leutasch dann -13 Grad um 8:30. Aber der Himmel verriet bereits, dass wir nicht durch Nebel laufen mussten, sondern uns ein sonniger Tag erwartete! Schnee hat es auch reichlich: 60cm. Eine Wintertraumlandschaft glitzerte in der Sonne. Ein Blick auf die Loipen versprach beste Bedingungen, frisch gewalzt ließen sie große Vorfreude aufkommen. Aber -13 Grad? Brrrh, erst mal frühstücken. Das Bio-Frühstück bei Monika war der Hit und hielt lange an. Gegen 10:30 ging es dann in die Loipe. Es war wenig los, der Parkplatz umsonst und auch die Loipenkontrollen noch spärlich besetzt.


Die ersten vorsichtigen Gleitversuche machten schnell klar - es ist wie beim Radfahren, man verlernt es nicht! :-) Der Schnee war aufgrund der Minusgrade zwar etwas stumpf, aber je später es wurde, desto besser lief der Ski. Aber mehr als 20km waren für mich nicht drin. Keine Kraft mehr, flügellahm, aber glücklich und zufrieden, weil es doch besser lief als gedacht. Danach noch in die hauseigene Sauna und ein anschließendes Schläfchen. Was will man mehr? Das nenne ich mal ein gelungenes, spontanes und schönes Saison-Opening :-))

Auch am Sonntag erwartete uns Sonnenschein und die Loipen waren schon voller. Es lief wieder prima - jedenfalls bergab ;-) Das Leutasch-Tal hoch wird es schnell anstrengend, aber ich machte es mir in einer Jause gemütlich, während Schneemännchen sich noch auspowerte. Anschließend nochmal ein Sauna-Gang, danach in Garmisch lecker Pizza bei Renzo gegessen und um 21:30 zu Hause auf der Couch :-)
Nach dem grauen Novemberwetter die letzten Wochen war das Wochenende wie Balsam für das Gemüt und der Kurzurlaub hat richtig gut getan und Auftrieb gegeben. Am liebsten würde ich nächstes Wochenende gleich wieder fahren...

Schneeflocke+Schneemann :-)

Mittwoch, Oktober 31, 2007

Ein Nickerchen im Rosenbeet...

Ja, blau hat Recht, diese Anekdote hat El Patrone in seinem Bericht völlig vergessen.
Dafür wurde es zur Schlagzeile.
Es wird höchste Zeit, allen Nicht-Fürthern diesen Artikel nicht mehr länger vorzuenthalten.
Und zugegeben, El Patrone ist mächtig stolz darauf :-)

El Patrone im Ziel.
Also nach manch anderer Tour hat er "schlechter" ausgeschaut.








Aber die aufgeweichten Füße waren eine neue Erfahrung...











Schneeflocke

Montag, September 10, 2007

Paris-Brest-Paris hautnah...

Ein lauter Böllerschuss, bekannt nur von Feuerwerken, erlöste mich von der unerträglichen Spannung, die sich v. a. in den letzten Stunden stark aufgebaut hat. Mit entsprechender Nervosität ging es teilweise mit bis zu 50km/h über verwinkelte Straßen mit Kreisverkehren, Insel, Zebrastreifen, Kopfsteinpflaster, kleine und große Kanaldeckel in Geraden und Kurven. Eine Herausforderung für diejenigen die an ihrem Rad „Jugend forscht“ betrieben haben: „Wie befestige ich Tacho, Lampe, Radflasche…?“ Die dadurch eingeleiteten massiven Bremsmanöver führten zu Stürzen und etlichen Faststürzen, als ginge es um jede Minute und Sekunde. Da hieß es für mich wieder „Augen auf und lass die mal fahren, wir haben ja noch über 1200km“. Ich hatte mich nicht wie viele andere, mit Bekannten verabredet, um zusammen zu fahren. Mein Ziel war, mich absolut an mein Tempo und Bedürfnisse zu halten. Nach ca. 50km verließen wir die Pariser Vororte und es ging weiter auf flachen Landstraßen. Einen unvergessenen Anblick bot die nicht enden wollende Rücklichterkette über eine lange Gerade. Der Wind meinte es gut mit uns, das Tempo häufig zwischen 30 und 35, Disziplin kehrte ein – so wenn es weitergeht, dann passt es.

Bis zur ersten Verpflegungsstelle (140km) blieb dies auch so. Ich nutzte diese gleich zur Nahrungsaufnahme, um einen Hungerast oder ähnliches zu vermeiden, während der Expresszug anscheinend gleich durchfuhr und so wurde die zweite Etappe trotz ähnlicher Verhältnisse gleich 2-3km/h langsamer. Nach 220km gönnte ich mir an der Kontrollstelle erstmals ein opulentes mahl und als ich zum Radparkplatz kam, war ich mehr oder weniger allein. Inzwischen natürlich stockdunkel konnte ich keine passende Gruppe mehr finden. Entweder sie war zu schnell oder zu langsam, so hielt ich mich entsprechend meiner persönlichen Vorgabe: MEIN Tempo – alles andere interessiert nicht.

Es begann langsam zu nieseln, aber ich konnte noch gut mit meiner dünnen Regenjacke fahren, auch die Straße wurde noch nicht so richtig nass – es war auszuhalten. Dafür kam es dann umso dicker. Bei km 315 gab es den ersten Starkregen und von da ab hatte ich kein trockenes Kleidungsstück mehr am Leib und Gepäck. Die Temperaturen waren mit 14-15 Grad noch angenehm. Die nahende Verpflegungsstelle nutzte ich wieder für großzügigen Essensnachschub in Form von Hähnchenschlegeln, Kartoffelpüree, Nudeln, Croissants, Pfirsich, Birne, Joghurt, Alkfrei-Bier, Kaffee. Die Leute an der Kasse dachten, ich kaufe für einen ganzen Verein ein. Meine zunächst vermutete Schwäche in den Beinen war nicht auf Formschwäche zurückzuführen sondern auf Blutleere in den Beinen, weil der Magen alles zum Verdauen brauchte. Somit waren nach 20-30km die Beine immer wieder in Ordnung, was mir dann entsprechend Selbstvertrauen für den weiteren Verlauf der Strecke gab. Trotzdem hatte ich die Schwierigkeit, mir nach wie vor nicht vorstellen zu können, wie ich von Brest wieder zurückkommen sollte. Bis Brest (km 630) kein Problem, die Distanz kannte ich von verschiedenen Fahrten zum Gardasee, Trondheim-Oslo, Martigny-Nizza,… aber mit den inzwischen nassen Klamotten und den Wetteraussichten jetzt noch rund 800km fahren – wie soll das gehen? Mir gelang es einfach nicht, mich mental auf die Strecke von 1200km einzustellen. Wahrscheinlich war es doch ein Fehler, dass freiwillige Brevet über 1000km in Osterdorf nicht zu absolvieren. Aber es gab zum Glück kein Begleitfahrzeug, die Zugstrecke liegt weit weg, und so musste ich einfach das mentale Tief durchstehen, was alles andere als leicht war. Durch die Anfeuerungsrufe und Verpflegungsstände der Anwohnern in den Dörfern sowohl tagsüber als auch nachts bestärkten mich in meinem Vorhaben, das die Veranstaltung es verdient hat, sie komplett und ohne Hilfe bis Paris zu Ende zu fahren.

Am Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke (349m) immerhin 12km lang, kam mir der einzig logische Blitzgedanke. Da hätte ich gleich drauf kommen können, und somit galt für mich zunächst als Ziel BREST. Dort wollte ich in aller Ruhe ankommen. So wie damals am Gardasee mit Jörn oder Jürgen. Nach einem ausgiebigen Mitternachtsmenü und einer Reservierung meiner Schlafgelegenheit für EUR 3,50 gönnte ich mir eine ganze Mütze von 5 Stunden Schlaf. Für die meisten von Euch mag das wenig vorkommen, aber viele drehen gleich wieder um und fahren wieder zurück. Das wollte und konnte ich einfach nicht. Ich zog meine nassen Klamotten bis auf die Radhose aus. Ich hätte jetzt viel um ein trockenes T-Shirt und eine Unterhose gegeben. So hieß es, die Radhose trocken zu tragen. Als Zudecke gab es die allgemein bekannten kratzigen Decken. Das hinderte mich jedoch nicht daran, sofort in einen komatösen Schlaf zu fallen. Fast pünktlich um 6:15 wurde ich geweckt, gönnte mir ein doppeltes Frühstück und als Bestätigung für die Zeit die ich mir für die Regeneration genommen hatte, genoss ich noch die Geschichte, eines Randoneurs, etwa 25 Jahre alt, der gerade in Brest mit Schürfwunden ankam. Auf meine Frage hin, wie das passiert ist, antworte er, dass er eingenickt und im Straßengraben aufgewacht ist… Jetzt muss er dringend Pause machen. Ich wartete noch bis es hell wurde und startete nach insgesamt 7 Stunden Pause mit Trockenheit und der Erwartung nach Frühnebel in einen sonnigen Tag fahren zu können. Dies hat sich dann auch auf der „Passhöhe“ bestätigt. Und mit Sonne in den Speichen ging es Richtung Paris. Ich war wieder richtig motiviert und meine eingeschlagene Taktik erwies sich als goldrichtig. Die enorme Essenszufuhr und meine Disziplin beim Radfahren kräftemäßig nicht zu überzocken, und das Thema Zeit im Auge zu behalten, aber nicht als oberste Prämisse zu sehen, zahlte sich jetzt mehr als aus. Auch wenn es mir jetzt keiner glaubt: meine Beine waren so frisch wie in Paris. Ich dachte mir, wenn das so weiter geht, dann kann ich auch 2000km fahren. Immer Essen, Trinken und ab und zu ein paar Stunden Schlaf – super!
Ich machte mir bewusst, trotz dieses Hochgefühls nicht übermütig zu werden. Es sind ja noch 550km. Ich habe jetzt praktisch Trondheim-Oslo vor mir mit etlichen Höhenmetern mehr. Was hält wohl die Wetterküche noch für Überraschungen bereit?

An der nächsten Verpflegung kam es zu dem von mir erwarteten Stau, da die 90hGruppe auf dem Weg von Paris Richtung Brest unterwegs war und gleichzeitig auch Fahrer von Brest auf dem Rückweg waren. Somit musste die Verpflegungsstelle mindestens die doppelte Anzahl von Radfahrern durchschleusen. Ich, gut genährt aus Brest gestartet, mit ausreichend Powerbars und sonstigen bestückt, ließ ich die Verpflegung aus. Bis zur nächsten Verpflegungsstelle war es trocken. Aber der bei uns in Cadolzburg so oft wehende Westwind gab hier eine andere Richtung vor. Es setzte sich das fort, was man schon bei der Hinfahrt bemerkt hatte. Ein leichter schräger Nordwind. Das Profil war weiterhin entsprechend wellig und ich hatte immer wieder mal Begleitpersonen unterschiedlichen Alters. Beeindruckend, ein 60jähriger der mich bei den ein oder anderen der 360 Anstiege doch aus der Reserve lockte… Bei der nächsten Verpflegung habe ich Verpasstes wieder nachgeholt, um auf keinen Fall bei Temperaturen um 12 Grad ein Hungergefühl aufkommen zu lassen. So ging es wenig spektakulär mit kurzen, kräftigen Regenschauern bis km 935, wo ich mir an einer weiteren Verpflegungsstelle eine Stunde Pause gönnte und kurz Manu und Peter anrief, um zu sagen, dass es mir saugut geht und es ein unbeschreibliches Gefühl ist, auf die1000km-Marke zuzusteuern. Jetzt dachte ich, ¾ der Strecke sind geschafft. Noch eine Nachtfahrt und dann geht die Sonne auf. Ich startete wieder mit entsprechendem Mageninhalt und fuhr alleine in die Nacht hinaus. Auf den Straßen ohne seitliche Fahrbahnmarkierungen und fehlenden Leitpfosten war man um eine Orientierung in Form von anderen Rücklichtern am Horizont schon dankbar. Das viele Essen, der Gegenwind, die nassen Klamotten vielleicht auch etwas der Km-Stand, ließen auf der 1-3%igen Steigung selten mehr als 22km/h zu. Ich drehte mich um und dachte, was kommt denn da angefahren? Ein LKW mit 4 hellen Scheinwerfern? Der LKW näherte sich recht zügig und entpuppte sich als 4er Gespann motivierter Radfahrer. Ich schätze, sie sind mit 5-6km/h schneller an mir vorbeigefahren. Eine der Personen fiel mir als besonders klein auf, was mich etwas irritierte. Ich dachte mir spontan, so einen LKW in der Nacht als Windschatten und als zusätzliche Sicherheit, besser gesehen zu werden, wäre nicht schlecht, aber meine Hähnchenschlegel rebellierten noch etwas und so sah ich die Gruppe so langsam entschwinden. Wie durch ein Wunder verspürte ich im selben Moment eine verhältnismäßige Leere im Magen und gutes Gefühl in den Beinen. Mein Jagdinstinkt war geweckt. Die km-Leistung vergessen und auch die Neugier auf die kleine Person ließ mich zielstrebig näher an die Gruppe herankommen. Mir gelang der Anschluss und in der Gruppe ging es trotz hoher Geschwindigkeit recht gesellig zu. Somit war nicht schwer festzustellen, dass ich im Frauenradsport gelandet war, was mich sichtlich beeindruckt. Vor allem von der 45kg-Frau, die bergauf eine Trittfrequenz an den Tag legte, wovon sogar Lance Armstrong träumen würde. Sobald die Geschwindigkeit unter ein gewisses Niveau fiel, wirbelte der 45-Kilo-Floh nach vorne und ihre Freundin setzte mit dickem Gang nach. Ihren Freunden und mir verblieb nur ein gewisses Staunen und ich wusste noch nicht genau, ob ich es wirklich wagen sollte, meine 1000km lang fest eingehaltene Disziplin aufzugeben und mich dem RTF-Tempo hinreißen zu lassen. Also gut, die letzten 250km schaffe ich schon. Wir fuhren dann nachts gegen 23 Uhr inzwischen wieder bei Dauerregen bergauf, bergab, Haarnadelkurven 4%ige Anstiege mit ca. 18km/h. Vielleicht nichts besonderes, aber nach 1000km, nassen Klamotten, Überschuhen, langen Handschuhen, Regenjacke und ca. 3,5kilo Mehrgepäck, Nabendynamo für mich doch nicht ohne Laktatausschüttung machbar. Währenddessen unterhielten sich die Damen an meinem Hinterrad recht angeregt. Der 45-Kilo-Floh setzte ab und zu einen Zwischensprint an, der mich jedoch unbeeindruckt ließ. Man könnte mir jetzt nachsagen, dass ich mit schnelleren Frauen nicht umzugehen weiß, ich habe normal damit keine Probleme, aber in der Situation war es einfach nicht fassbar und mir machte diese Fahrweise auch noch richtig Spaß. Ich muss dazu bemerken, bei km1020 fehlte mir NICHTS. Dann kam die nächst Kontrolle und ich wagte es, nur Kaffee und schnelle Kohlenhydrate in Form von Süßwaren zu mir zu nehmen. Ich denke auf Grund des geänderten Fahrstils war dies auch die sinnvollere Entscheidung. Als ich dann weiterfahren wollte, bemerkte ich, dass der Regen zu Starkregen überging. Es war Mitternacht und ich ging zurück um eine weitere Tasse Kaffee zu trinken. Dann kamen mir die beiden Mädels entgegen, die auf dem Weg nach Draußen waren und ich bemerkte, dass Wetter sei noch schlechter. Sie fragten mich, ob ich nicht mit ihnen weiterfahren möchte (vielleicht hat ihnen mein Windschatten auch gut getan ;-) und mein Hinweis auf das Wetter antworteten sie nur „in Paris ist es auch nicht besser – lass uns fahren“. Gesagt, getan, mit gehangen, mit gefangen. Ihre beiden Freunde waren nicht mehr da und somit wurde aus unserer 3erGruppe schnell eine 6erGruppe mit der wir die vorletzte Verpflegungsstelle bei 1100km ansteuerten. Ein kurzer Schlussanstieg und ich merkte auf den letzten 500m, jetzt ist es so weit, Flasche leer… Weitere Nahrungsaufnahme in Form von Spagetti in den Morgenstunden, Süßigkeiten, Kaffee, half nichts mehr. Auch meine Achillessehne schmerzte, und das Knie zwickte. Die Handballen brannten und die Nackenmuskulatur hatte auch zu kämpfen. Zu meinem Trost waren auch die Mädels ruhig gestellt und ihre Köpfe fielen auf den Tisch und sie gönnten sich ein paar Minuten Schlaf.

Es ging aber bald weiter. Mit dickem Gang nahm die eine die ersten Steigungen, das andere Mädel wirbelte wieder hinterher. Jetzt geht das wieder los, dachte ich mir, das gibt’s doch nicht! Kurz drauf müssen sie sich aber noch mal die Regenjacken ausziehen, während ich gleich weiterfuhr und dachte, ihr holt mich ja sowieso wieder ein. Trotz meiner vielen Pinkelpausen, Sitzbeschwerden, dauerte es ewig bis wir uns wieder getroffen haben. Und so fuhren wir recht defensiv mit strammen Gegenwind und laschen 20km/h über die weite Ebene, die die Mädels (aus Holland stammend) an ihre Heimat erinnern müsste. An der letzten Verpflegungsstelle angekommen stellte sich heraus, dass Klaus zur selben Zeit die Kontrollkarte durchgezogen hat wie ich. Ich fand Klaus aber nicht. Auf der letzten Etappe habe ich noch einen Randoneur getroffen, der sich für seine Unhöflichkeit entschuldigte, weil er mich beim Sprechen nicht ansah. Er konnte einfach seinen Kopf weder heben noch drehen… Inzwischen breitete sich aus meinen Fuß ein Schmerz einer daumengroßen Blase aus, die sich in Windeseile in eine gefühlte Riesenblase und zwar in Schuhgröße 42 auszudehnen schien. Durch die jetzt schon 65 Stunden andauernde Feuchtigkeit in meinem Schuh muss sich hier ein Waschküchen-Klima entwickelt haben. Ich vermutete, beim Ausziehen meines Sockens, den halben Fuß daran zu finden. Meine bisherige Taktik, hauptsächlich die Anstiege mit schwereren Gängen im Stehen zu fahren, um damit das Sitzfleisch zu entlasten, konnte ich nicht weiterverfolgen. Hinsetzen konnte ich mich auch nicht mehr richtig, da sich auch da nicht gekannte Schmerzen breit machten. Aber es war ja nicht mehr weit. 15km vor dem Ziel rollte ich Klaus auf und wir konnten zusammen ins Ziel fahren. Zu unserer Enttäuschung machte die Strecke unendliche erscheinende Schlenkerer mit vielen Ampeln. Dass die Zielankunft sehr nüchtern ist, wusste ich, und trotzdem war ich enttäuscht. Nur die Anwesenheit von Manu wertete die Zielankunft auf. Auch Silvia konnte ihren Klaus in die Arme schließen. Ansonsten schiebt man sein Rad über ein kurzes Stück Schotter, lehnt es an eine Hecke, stolpert in die Turnhalle, zieht ein letztes Mal seine Karte durch, ein letzter Stempel und das war’s. Um 14:52 war ich im Ziel. Die Füße hätte man als Krokodillederhaut durchgehen lassen können. Der Handballen war mit einer Blutblase garniert, die Achillessehne geschwollen und am Sitzfleisch machte sich auch eine bisher nur vom Wandern bekannte Blase breit. Manu verarztete mich aber exzellent mit Penatencreme und anderen Mittelchen, so dass wir am Mittag des nächsten Tages Paris im japanischen Schnelldurchgangsstil anschauen konnten. Trepp-ab machte die größten Probleme, es ging nur Stufe für Stufe und ein anderer Fahrgast in der U-Bahn sprach mich an, was mit mir los wäre. In gebrochenem Französisch machte ich ihm klar, dass ich Paris-Brest-Paris mitgefahren bin und er lächelte. Aber die 200 Stufen zum Triumpfbogen hinauf streckten mich dann doch nieder – Knie und Achillessehne schmerzten. Ein toller Anblick und schöner Abschluss war mit Einbrechen der Dunkelheit der Blick auf den Eifelturm.

Resümee: Die Veranstaltung ist super, tolle Organisation und Verpflegung, wer Langstrecke liegt, kann darin seinen radsportlichen Höhepunkt erleben. Für meinen Fall soll dies aber auch einzigartig bleiben und nicht in einer weiteren Steigerung ausarten. Ich hoffe, dass es mir nicht so geht, wie 27% der Teilnehmer, die mindestens zum zweiten Mal dabei waren.
El Patrone

Donnerstag, August 30, 2007

Geschafft...!

Wie einige bereits vernommen oder gar mitverfolgt haben:

El Patrone hat es geschafft!!!
In sagenhaften 66 Stunden und 22 Minuten!

Und das bei wahrlich nicht einfachen Bedingungen, wie 900km Alleinfahrt, Starkregen am Dienstag, auch nachts, mentale und körperliche Tiefpunkte, aber er hat es geschafft.

Viele andere leider nicht, sehr viele.

Die Ausfallquote war wegen der Wetterbedinungen extrem hoch. Insgesamt 1700 Randonneure gaben ihre Stempelkarten an den Kontrollstellen ab. Zu leicht ist es für die, die ein Begleitfahrzeug haben, dort einzusteigen. Andere überlegen sich besonders gut, ob sie aufgeben sollen. Einen Besenwagen gibt es nicht. Da muss sich jeder selbst kümmern. Die Zugstrecke liegt meist ca. 80km entfernt. Es gab sicherlich viele Tränen beim diesjährigen Paris-Brest-Paris, Tränen die einfach nicht zurückgehalten werden konnten, wenn ein großer Traum platzte. Schließlich gibt es nur alle 4 Jahren die Chance, die Vorbereitung dauert das ganze Jahr, die Qualifizierungen, das erforderliche Attest vom Arzt für eine Teilnahme, das Zittern, ob man bei der Anmeldung alles korrekt beigefügt hat und das Warten auf seine Startnummer, die Fahrt nach Paris... das geplante Radrennen wurde für viele doch zur Stadtbesichtigung von Paris. Und für manchen war der Traum schon sehr schnell vorbei. Ingo z. B. riss bei km25 der Schaltzug. Der Versuch, mit dem kleinen Kettenblatt an irgendwelchen Gruppen dranbleiben zu wollen erwies sich schnell als schmerzlicher Fehler. Die Knie machten ihm klar, dass es so nicht funktioniert, aber da war es auch schon zu spät, um sich auf eine andere Lösung einzustellen.
Oder Manfred, bei der Busfahrt nach Paris war er aufgekratzt ohne Ende. Er hatte ein eigens entworfenes T-Shirt für P-B-P an, aber er redete auch viel vom RAAM. Bei km400 war für ihn Schluss. Knieschmerzen - er hatte vorher nie welche. Bei der Rückfahrt war Manfred traurig still.

Ein zweiter Manfred musste bei km1050 passen. Besonders tragisch, denn hätte er eine Halskrause zur Hand gehabt, wäre er das Rennen zu Ende gefahren. Er konnte einfach seinen Kopf nicht mehr heben, das erste Mal seit er Langstrecken fuhr. Solche Kandidaten gab es übrigens viele. Etwa ein Fünftel kam mit wilden Konstruktionen ins Ziel, die das Kopfheben "erleichterten".
El Patrone machte mental wie körperlich wie viele andere auch alles durch...

Aber fangen wir von vorne an :-)

Samstag, 18.8.
Um nach Paris zu gelangen, hatten wir uns bei einer Mitfahrgelegenheit in einem Reisebus eingebucht. Wir wurden in Ansbach aufgelesen. Dort lernten wir auch Ingo und noch einen "Harten" kennen. Der kam aus dem 100km entfernten Geroldshofen angeradelt und hatte die verbliebene Zeit am Autohof übernachtet. Zum besseren Verständnis: Er ist bereits am Abend vorher um 19 Uhr mit 20Kilo-Rucksack inklusive Campingausrüstung von dort gestartet...!
Nachdem man sich miteinander bekannt gemacht hatte war die erste Frage von Ingo: Was habt ihr denn dabei? Der "Harte" sagte, er hätte Guarana dabei. Zitat: "Mit Guarana geht man so richtig ab, wenn man müde ist!" Ingo meinte er hätte Koffeintabletten dabei. Jürgen traute seinen Ohren nicht. Was ist denn hier los? (Dr. Fuentes? ;-) Er hatte natürlich nichts dabei - nicht mal eine Aspirintablette.
Der Bus kam mit einer halben Stunde Verspätung. Die Räder wurden in dem dafür vorgesehen Anhänger verstaut und los gings. Es war ein wildes, aufgeregtes Geplapper im Bus, dabei lag die Frauenquote bei unter 5%! ;-)


Elisabeth fuhr zum 2. Mal bei P-B-P mit und eine andere Frau begleitete samt Kinder ihren Gatten. Ich hatte eigentlich gehofft, Anschluss an Frauen zu bekommen, die sich Paris anschauen wollten. Das wilde Geplapper war eine Mischung aus Tech-Talk, P-B-P-Geschichten, Erzählungen von Brevets und natürlich irgendwelchen Sprüchen, wie z. B. Manfred über das Streckenprofil von P-B-P machte: Es sehe aus wie ein Lügendetektor-Ausdruck von Tyler Hamilton. :-) Es war auf jeden Fall lustig und schön unter Gleichgesinnten zu sein. Karl Meixensberger, der die Busfahrt zum zweiten Mal organisierte, kam auf El Patrone zu: "Jürgen, Du warst der erste, der sich angemeldet hat, drum komm ich zu Dir als erstes..." Jürgen grinste. "Ihr seid's im Etap-Hotel untergebracht, wie einige andere auch, für Frühstück ist gesorgt..." meinte Karl mit seinem sympathischen oberpfälzischen Dialekt. Wie schön, dass sich jemand um alles gekümmert hat!
Gegen 19:30 fuhren wir auf dem Weg zum Hotel am Start-Ziel-Gelände vorbei, was viel Herzen schneller schlagen ließ. Wir waren müde, gingen mit 5 anderen Randonneuren aus dem Hotel zum Essen und fielen anschließend ins Koma... Es war eine harte Woche für uns beide. Ich war überarbeitet, Jürgen bereits ein Nervenbündel...

Sonntag, 19.8.
Wir waren die letzten beim Frühstück, aber wir blieben Dank Geselligkeit alle bis zum Schluss sitzen. Auf einmal begrüßte Karl ein weiteres deutsches Pärchen. Sie kannten sich vom letzten Mal und treffen sich jetzt hier zufällig im gleichen Hotel. Klaus war für die 90-Stunden-Gruppe gemeldet, das hieß Start am Montag um 21:30. Silvia war hier, um sich Paris anzusehen! Juhu, ich fragte sie gleich, ob ich mich ihr anschließen dürfte. Klar, alles roger - sowie unsere Jungs auf der Strecke sind, geht's los :-)
Nach dem Frühstück liefen Schneemann und Schneeflocke zum Start-Ziel-Gelände. El Patrone stöhnte beim Eintreffen. Er sei auf einmal so aufgeregt, wenn er das alles hier sieht und er kriegt Bauchschmerzen. Hm, da half weder Mut zusprechen noch sonstige Ablenkungsmanöver. El Patrone war ab sofort zu nichts mehr zu gebrauchen. Es war auch für mich sehr beeindruckend. Ein großes Banner wies auf das Ereignis hin. Viele Stände, von Warnwesten, über Pülverchen bis Lichter wurde hier alles verkauft.
Ländergruppen rotteten sich zum Fototermin zusammen und so war auf einmal alles voller Japaner in Radbekleidung. Einer hielt die japanische Flagge hoch. Es waren auch einige ältere Japanerinnen unter ihnen. Ich war mehr als beeindruckt, ja richtig ergriffen. Wir liefen weiter zum Sportplatz. Dort bot sich uns eine Räderschau sondergleichen - von der Rennmaschine, über "Dreiräder", Liegerädern in verschiedensten Ausführungen mit und ohne Verkleidung, Tandems, Tridems,... Ich fotografierte ganz aufgeregt die wildesten Konstruktionen.
In der Sporthalle selbst war die Hölle los. Hier wurden die Startunterlagen abgeholt. Die Stimmung war faszinierend. Ich kämpfte mehr oder weniger erfolgreich mit den Tränen. Ich war einfach überwältigt. Wir schauten uns die einzelnen Stände an, die Leute und deren Ländertrikots, es roch vielerorts nach Schweiß und ich hoffte, dass das mein Magen am Morgen gut vertrug. Viele waren mit dem Rad hier her gefahren.

Der Veranstalter hatte an der Tribüne alle Flaggen der Länder aufgehängt, die teilnehmen. Ich sah sogar Randonneure mit Puerto Rico Trikot, die sich mit Spaniern unterhielten. Wo die wohl ihre Brevets absolviert hatten?














Wir liefen wieder zurück zum Hotel. Jürgen war die Nervosität sichtlich anzusehen. Im Hotel angekommen, fing er an, seine Taschen am Rad zu befestigen und dessen Inhalt gut überlegt zu füllen. Er zog sich seine Radklamotten an und wählte natürlich das Deutschland-Trikot. So war er für andere Deutsche leichter erkennbar. In die Lenkertasche kamen 15 Powerbars, 5 Gels, Ersatzlampe, Taschentücher, 2 Radbrillen + Kontaktlinsenzubehör; in die vergrößerte Satteltasche das Werkzeug und Ersatzschläuche, Öl, warme Kleidung und Regenjacke. Er hob das Rad hoch und war alles andere als begeistert. Aber wenn die Powerbars aufgegessen sind, wird es leichter :-)

Fertig gepackt fuhren wir diesmal mit den Rädern zum Start-Ziel-Gelände. Er bekam seine Startunterlagen und das P-B-P-2007-Trikot.





Die Radabnahme/Kontrolle sollte erst am nächsten Tag vor dem Start erfolgen. Um 17 Uhr war Fototermin für die Deutschen. Da es über 300 Starter waren, musste man auf den gegenüberliegenden Kreisverkehr ausweichen. Dort versagte unsere Kamera :-(


Abends beim Essen fragte ich in die Männerrunde, ob irgendjemand einen Fotoapparat dabei hatte, welchen er nicht mit auf die Strecke nimmt. Ja! Horst lieh mir seinen! Ich war erleichtert. Bei Horst fällt mir ein... ich sollte was zu den ganzen Typen sagen...

Horst, 52 Jahre, erzählte, dass er bei P-B-P 2003 auf den ersten 300km einen 38er Schnitt hatte! Jürgen sah mich mit offenem Mund an... Zu Hause, fügte er hinzu, versucht er ab und an 200km mit einem 40er Schnitt zu fahren. Wir waren so fassungslos, dass wir vergaßen zu fragen, ob er es jemals geschafft hatte.
Ingo, 42 Jahre, war ein richtiges Greenhorn. Es war erst sein drittes aktives Rennrad-Jahr und traute sich an so etwas ran. Ich nannte das augenzwinkernd "respektlos". Auch Bernd, mit 27 Jahren weit vom 49-Jahre-Teilnahmedurchschnittsalter entfernt, hatte mit 3 Jahren Raderfahrung den gleichen Entschluss gefasst, es bereits dieses Jahr anzugehen.

Karl, 52 Jahre, aber wie 42 Jahre aussehend, nahm zum zweiten Mal teil und wünschte sich eine 60er Zeit.

Elisabeth kam mit ihren ca. 45 Jahren an den Altersdurchschnitt der Teilnehmerinnen ran. Was mich am meisten beeindruckte, war nicht sie, sondern ihr Rad, mit welchem sie die Strecke bewältigen wollte. Ein Eisenhaufen ohnegleichen, welches ich allenfalls als Stadtrad benutzen würde und auch nur dann, wenn ich die ganzen Plüschtiere vorher demontieren darf...;-) Hinzu kamen uralte lapprige Packtaschen, die sicherlich alles andere als wasserdicht waren.

Ich könnte an dieser Stelle endlos weitere Personen aufzählen, aber auch dieser Sonntag Abend hatte ein Ende. Es wird hier wesentlich später dunkel als in Deutschland. Schlafen konnten wir diese Nacht nicht mehr so gut.

Montag, 20.8.
Der Montag begann wieder mit einem ausgedehnten Frühstück, danach suchten wir nach einem Lebensmittelladen. Viele Läden hatten zu, weil deren Besitzer in Urlaub waren. Während der ganzen Zeit hatte ich nicht ein Stück Obst gesehen, keine Banane, nichts. In dem Vorort des Hotels hatten wir 2 geöffnete Lokale entdeckt, nicht mehr... Also marschierten wir ins Einkaufszentrum. Das war weiter als gedacht. Dafür gab es dann auch ALLES zu kaufen. Ich suchte aus und ließ El Patrone wiegen. Er war inzwischen einem Nervenzusammenbruch nahe. Lange konnte ich ihn hier nicht mehr festhalten. Ich musste mich beeilen. Wir liefen zurück und aßen bei dem soeben aus dem Urlaub zurückgekehrten Italiener um die Ecke des Hotels zu Mittag. Ich redete dem Schneemännchen immer wieder gut zu, aber nichts half, um seine Nervosität zu reduzieren. Aus dem Nachmittagsschläfchen wurde natürlich nichts, dabei wäre das bei dem 20 Uhr-Start so gut für ihn gewesen. Um 17:30 fielen wir nochmals beim Italiener ein. Jürgen hatte inzwischen unzählige Toilettenbesuche hinter sich. Er aß, obwohl er keinen Hunger hatte. Mich bat er, nichts Außergewöhnliches zum Essen zu bestellen, damit es schnell geht... Glücklicherweise kamen Karl mit ein paar anderen ebenfalls zum Essen und durch die Unterhaltung war er etwas abgelenkt. Auch Karl versicherte ihm eine gute Zeit, wenn er am Anfang nicht überzockte. Er meinte, er müsse sich langsam auf den Weg machen. Wir radelten zum Start. Am Tunneleingang wartete bereits eine riesige Radlertraube der 90-Stunden-Gruppe auf die Radabnahme und Einchecken. El Patrone wurde mit seiner Startnummer schnell durchgewunken - mich hielt man auf. Er bekam es nicht mit und so kämpfte ich mich am Tunnelausgang zu den Randonneuren hindurch. Aber an dem Tor zum Stadion ließ man mich abermals nicht durch. Ich wartete und hoffte, das er nochmal zurückkam, aber vergeblich. Er war einfach zu nervös und mit sich selbst beschäftigt. Die Ordner winkten alle 80-Stunden-Fahrer eilig durch. Ein Fotograf wollte genau wie ich in das Stadion. Seine Begründung war nicht plausibel genug. Ich sagte ihnen, dass ich mich nicht von meinem Mann verabschieden konnte und kämpfte mit den Tränen. Es half nichts. Sie zeigten auf den Kreisverkehr. Ich glaubte nicht daran, dass ich ihn am Start sehen würde und war todtraurig und konnte meine Traurigkeit letztendlich nicht mehr zurückhalten... Als ich mich damit abgefunden hatte, bewegte ich mich zum Start. Ich suchte mir ein Platz an einer Kurve. Es war aufregend und alles zog sich in die Länge wie Kaugummi. Dann der Startschuss um 20 Uhr für die ersten 500 Fahrer. Die Zuschauer jubelten. Ich suchte das Feld nach ihm ab, konnte ihn aber nicht entdecken. Auf einmal war Karl da und fragte, ob ich ihn gesehen hätte. Ich verneinte und erzählte ihm, dass wir uns nicht verabschieden konnten. Er meinte, ihn auch nicht gesehen zu haben und riet mir parallel zum Start zu laufen und dann zu suchen. Gute Idee! Karl half mir beim Suchen. Aber in der zweiten Startgruppe war er auch nicht. Ich resignierte. Wie viele Startgruppen gab es? Karl meinte 2. Aber nein! Eine dritte rollte ein. Ich suchte wieder das ganze Feld ab. Von vorne bis hinten. Ganz hinten am Rand entdeckte ich auf der gegenüberliegende Seite einen roten Helm. Ja, das war er! Ich hatte ihn gefunden! Karl rief ihm zu, dass wir rüber kommen. Es war ein Wiedersehen und Abschied zugleich. Wir waren beide froh, dass wir uns nochmal sehen konnten. Er meinte, die Ordner hätten ihn so schnell durchgewunken, so dass er dachte, er sei zu spät dran. Er war immer noch nervös. Die Radfahrer hatten alle ihre Lichter eingeschalten - ein tolles Bild. Der 3. Startschuss für die 80-Stunden-Gruppe fiel um 20:30 und die rote Lichterschlange zog davon. Ich war jetzt auch fertig mit meinen Nerven. Auf der gegenüberliegenden Seite entdecke ich Silvia. Ich ging zu ihr hinüber. Auch sie war angespannt und hatte die letzten Tage mit Klaus ähnliches durchgemacht, wie ich mit Jürgen. Um 21 Uhr starteten alle Sonderfahrräder, Tandems und dergleichen. Das war wieder interessant zu sehen, aber zu dunkel zum fotografieren. Um 21:30 startete die 90-Stunden-Gruppe und Silvia machte sich wie ich eine Stunde zuvor auf die Suche. Sie entdeckte Klaus ganz vorne in der ersten Reihe! Nach dem Startschuss kam sie wieder und wir verabredeten uns im Hotel, um dann auf den Schreck noch etwas gemeinsam trinken zu gehen. Aber um 22:00 hatte hier schon alles zu. Also zurück ins Hotel und direkt ins Bett. Für mich kam es ein wenig so vor, als wäre ich im Ziel ;-)

Das war jetzt mehr oder weniger meine P-B-P-Etappe.

Die eigentliche folgt... :-)
Schneeflocke

Freitag, August 17, 2007

Verfolgung

Hm, ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich in Paris vorziehe.

Die Sehenswürdigkeiten oder die Faszination des ältesten Radrennens der Welt?

Eine Möglichkeit, irgendwo in einem Begleitfahrzeug mitzufahren, welches dann auch noch die gleiche Geschwindigkeit hat, wie El Patrone, wird schwierig abzuschätzen sein.

Ich werde sehen. Vielleicht lasse ich mich auch von der ein oder anderen weiblichen Begleitung zum Sightseeing animieren...

Ob ich permanenten Zugang zum Internet habe, wage ich zu bezweifeln.
Da könnt Ihr u. U. besser verfolgen, wie es El Patrone geht.


Links unten auf P-B-P klicken.
Im Menü "The Ride" müsste man ihn verfolgen können, wenn man die Startnummer eingibt.

Sein Traum ist eine Ankunft am Donnerstag Abend.

Schneeflocke

Wind und Wetter

werden eine große Rolle spielen...

Normalerweise sind wir ja Schön-Wetter-Fahrer, aber bei P-B-P kann man es sich eben nicht aussuchen. Und eins ist sicher. Es wird Regen geben. Den gibt es immer. Es sei denn es hat einen Sommer 2003. Und Wind... den gibt's an der Bretagne natürlich auch reichlich. Meistens in fieser Windstärke 3-4 mit mehr oder weniger nass, kleinen und großen Sonnenlücken...

Paris - Brest - Paris - Welche Wetterküche hältst Du bereit?

Hoffentlich keine

Schneeflocke(n) ;-)

Donnerstag, August 16, 2007

Motivation

Zu Beginn der Woche erreichte El Patrone ein "Motivationspaket" und P-B-P-Starterkit von einem guten Freund aus Bochum. Neben Knoppers für halb 10 in Deutschland, enthielt das Päckchen eine Menge Energie, aber auch was für die Plauze und ein geheimes Pülverchen! Außerdem wurde noch eine Motivationshymne für El Patrone geschrieben, in der sich der Autor auch der fränkischen Sprache versucht hat. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten:


Ich bin's, der J. Unger
Sitz' i net auf'm Rad,
dann hab ich Hunger.

Gebt mir ein Brot und Schäufelein,
dann will ich nicht mehr lästig sein.

Und habt Ihr noch 'nen Bauaba,
dann komm' dem guten Schnitt ich nah.
Und saus' mit 40 so dahin, (Jahren, km/h oder beides? ;-)
damit in Brest ich schnelle bin.

Und komm' ich dann alsbald zurück,
dann brauch' ne Nudel ich zum Glück.
Es dürfen auch drei Teller sein,
die krieg' ich in den Magen rein.

Nur noch 300 bis Paris -
da lach' ich nur, da bin ich fies.
Ist doch nur ein Spurt für mich,
lohnt sich fast zum Verdauen nicht.

Dann sind die 80 Stunden 'rum,
viel zu schnell, ach, das war dumm.
N'en Schnitt von Neununddreißigdrei
und dann ja auch noch Spaß dabei.

Doch will ich hier nicht noch mal sein,
Paris-Dakar - na, das wär' fein...


Ok, das mit Dakar müssen wir verschieben. Danach ist erstmals ein Wellnessurlaub angesagt. Bin gespannt, ob wir das aushalten... :-)


Schneeflocke

Dienstag, August 14, 2007

"Trainings"-600er


Trondheim - Oslo oder auch von El Patrone "Trottelheim-Oslo" getauft, weil wer fährt schon gern 600km bei typisch skandinavischen Wetter mit dem Rad?
1994 die große Herausforderung für ihn, da die erste
Langstreckenfahrt überhaupt,
2007 nimmt er die Gelegenheit war, um einen guten Freund zu treffen und zur Vorbereitung auf Paris-Brest-Paris.

Damals mit Megaaufwand (Auto/Fähre/Fahrt nach Trondheim und das ganze wieder zurück) da war man schon eine Woche lang unterwegs...
Diesmal bot sich die Gelegenheit, das Rad vorauszuschicken.
Also Freitag Flug nach Trondheim, Samstag den 600er runterreißen, Sonntag wieder zurückfliegen und sogar abends noch beim Lieblingsitaliener schlemmen.
Ok, da waren die Äuglein schon klein, aber das gehörte eben mit zum Training ;-)

Der Ursprung des "Rennens" stammt von 1945, als die deutschen Soldaten nach Kriegsende nichts anderes als Fahrräder hatten, um wieder nach Deutschland zu gelangen. Ergo gibt es immer noch ein paar Verrückte, die das ganze mit Stahlhelmen absolvieren... Die Norweger sind schon ein hartes Volk mit einem völlig anderen Temperaturempfinden. Die Begeisterung war trotz schlechten Wetters beim Volk wieder groß und einzigartig. Auf der Hochebene saß ein Pärchen als Wikinger verkleidet mit schwenkender Norwegerfahne bei strömenden Regen und 9 Grad - ohne Schirm! Immerhin hatte es "warmen" Regen! 1994 hatte es auf der Hochebene (1000m) nur noch 2-3 Grad bei Graupelschauer und kräftigem Gegenwind.
Dieser 600er war nicht mit dem Brevet zu vergleichen, da er es gemütlich angehen ließ. Ab km 180 fuhr er mit einsetzendem Regen sein eigenes Tempo. Er erwischte verschiedene Gruppen, auch Norweger. Die letzten 150km fuhr er allerdings alleine, weil sein Tempo mit niemandem harmonierte. Mit Müdigkeit hatte er diesmal überhaupt nicht zu kämpfen. Der Körper scheint sich zu erinnern...

Fjord bei Oslo

Die Hochebene

Mitternachts"sonne" (wenn es nicht regnen würde ;-) Im Ziel ein alt ausschauender El Patrone

Die Fakten:
550km, 3500hm,
19:01 Stunden effektive Fahrtzeit,
19:50 Stunden unterwegs (4 Stunden schneller als 1994)

Trotzdem wird es das letzte Mal Trottelheim-Oslo gewesen sein. Es gibt genug anderes. Und Nachtfahrten sollen ja nach P-B-P eh tabu sein ;-) Aber die Begeisterung für Norwegen war neu entfacht und so wurde in den nachfolgenden Wochen fleißig der Norwegen-Reiseführer gewälzt... Wenn das Wetter nur nicht so ungewiss wäre...

Schneemann

Montag, August 13, 2007

Die 600er Quali - Offenbarungseid

Nachdem der 400er so prima gelaufen ist, hatte El Patrone große Hoffnungen, dass der 600er ähnlich abläuft. Doch diese Rechnung hatte er ohne die Speedgruppe von Osterdorf gemacht. Es war das Härteste in jeder Hinsicht, was El Patrone in seinem Sportlerleben erlebt hat.
Die Strecke war sehr schön, aber bei dem Wetter ein echtes Brevet...

Die Quali fand am 17. Mai in Osterdorf statt. Der 400er lag also erst 5 Tage zurück. Aber das sollte nicht das Problem sein. Erinnert Ihr Euch an das Wetter des diesjährigen Vatertages? Die Temperaturen lagen bei regnerischen 6-11 Grad, nachts klarte es bei 1-2 Grad auf. Start war früh 7 Uhr bei leichtem Nieselregen. Lange Klamotten, lange Handschuhe und sogar Überschuhe waren angesagt! Es bildete sich wie erwartet die 10-Mann starke aggressive sportlich hochwertige Speedgruppe. Er wollte nicht so recht glauben, dass die 600km in ähnlicher Manier gefahren werden, wie die anderen Brevets. Aber so war es dann, von Anfang an ein Kampf in jeder Hinsicht.

Außerdem hat El Patrone viele Fehler gemacht:

1. Kontaktlinsen sind bei langen Regenfahrten nur bedingt tauglich.

2. Man ziehe niemals lange MTB-Handschuhe an, die man nur nach links ausziehen kann (Zeitfaktor). Er konnte damit nicht seine wärmere Jacke anziehen, ohne Gefahr zu laufen, die Gruppe zu verpassen.

3. Man packe doch seine Wechselsachen in der kleinen Gepäcktasche in eine kleine Plastiktüte, damit diese trocken bleiben. Somit hatte El Patrone bei nassen Klamotten + nassen Wechselklamotten + schwererem Rad gleich mal ein paar Kilo mehr die Berge hochzutragen.

4. Man folge immer der Wegbeschreibung, auch wenn diese anders ist als in den Jahren zuvor. Die Brevets finden jährlich statt und in Osterdorf gab es in den letzten Jahren keine Streckenänderungen. Beim 600er Brevet wurden Geheimkontrollen angekündigt. Bei km 90 kamen sie an eine Baustelle. Die Wegbeschreibung führte außen herum. Jörg meinte, es geht immer gerade aus. Also fuhren sie durch eine große Baustelle - das Wort Straße hatte dieser Streckenabschnitt nicht mehr verdient. El Patrone hatte hier mit seinem Crossrad Vorteile, weil sich seine Bremsen nicht zusetzten. Andere mussten anschließend zum Teil ihre Laufräder ausbauen, weil sich nichts mehr bewegte. Und jetzt kommt der Hammer und das Glück der 10er Gruppe: Der direkte Weg durch die Baustelle dauerte länger als die Umgehung. Was daran gut sein soll? Sie fuhren wieder auf andere Brevet-Teilnehmer auf und die meinten, es gab eine Geheimkontrolle. Jörg wollte es nicht glauben und ließ sich die Stempelkarte zeigen. Tatsächlich! Also mussten alle zurück und einen 10%igen Berg hoch, um sich den Stempel zu holen. El Patrone war stocksauer. An so einer Stelle die Geheimkontrolle zu machen, machte überhaupt keinen Sinn. Diese Kontrolle galt eher den Kollegen mit Navigationsgeräten und nicht den Abkürzern. Wäre die Gruppe durch die Baustelle schneller gewesen als die Nachkömmlinge hätte sie nie von der Geheimkontrolle etwas erfahren und wären erst nach den absolvierten 600km in Osterdorf davon in Kenntnis gesetzt worden! Man stelle sich mal das Drama vor, bei den Bedingungen! Es hätte keine Ausnahme gegeben! El Patrone war echt sauer!

5. Man esse, auch wenn man keinen Hunger hat. Kurz vor der zweiten Kontrollstelle bei km 190 ereilte El Patrone in nie da gewesener Geschwindigkeit ein Hungerast. Der Magen zog sich zusammen und suchte nach Essbarem. Aber da war nichts, kein Gel eingepackt, keinen Riegel. Nur die Hoffnung, das jetzt kein Berg kommt. Aber selbst da gab es kein Erbarmen - El Patrone sollte lernen. Man bog in einer Ortschaft ab und ein 13% erhebte sich in gefühlten 20% vor ihm. Er wurde so langsam in der Gruppe durchgereicht und verpasste den Anschluss. Oben am Berg folgte eine Hochebene und er sah die Gruppe noch. Der Gegenwind bließ ins Gesicht, es regnete und der Magen schrie nach Essbarem. Er dachte an seine Zeitfahren und befahl sich selbst, sich zusammenzureißen und kämpfte sich trotz Hungerast wieder an die Gruppe hin. Kurz nachdem der Anschluss wieder hergestellt war, kam die 3. Kontrollstelle. Jetzt hieß es Essen fassen - doppelt so viel wie die anderen. Das ging natürlich wieder mit einem Zeitproblem einher. Die 2. Semmel musste auf dem Rad gegessen werden. Jetzt fragt sich vielleicht einer, warum hat El Patrone nicht auf die nächste Gruppe gewartet. Da wären wir auch schon bei Fehler Nr.

6. Der neue Kartenhalter war nicht wasserdicht und beim Wechseln der Seiten, ahnte er schon, dass sich die Tourenbeschreibung in mehrere Teile auflöste. Also das nächste Mal doch die Ortlieb-Lenkertasche. Natürlich war auch der Ehrgeiz der Grund, in der ersten Gruppe dabei sein zu wollen.

Und so kämpfte sich El Patrone von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt, immer in dem Glauben, dass das in der Geschwindigkeit niemals gutgehen kann. Jeder Hügel wurde durchgedrückt, immer fing irgend ein anderer zum Spinnen an und zog das Tempo hoch. Inzwischen hatte es sich so richtig schön eingeregnet. An einem weiteren Kontrollpunkt im Chiemgau gab es einen Wolkenbruch. Das störte die anderen aber nicht. El Patrone machte den Vorschlag, abzuwarten, aber nix zu machen. Sie wollten echt weiterfahren. Glücklicherweise hatte jemand einen Platten und es konnte noch ein weiterer Kaffee getrunken werden. Auch der Vorschlag zu übernachten und morgen bei schönem Wetter (das war ja gemeldet) die restlichen 300km zu fahren, hätte er genauso dem Mond erzählen können. Es brachte bei Michael immerhin ein gewisses Maß an Verständnis im Bezug auf die Vernunft ein, aber es durchzuführen hielt er trotz einsetzendem Platzregen für absurd. Wären die Kontrollpunkte nicht immer Tankstellen gewesen, sondern Gasthöfe, hätte sich El Patrone sicher ausgeklinkt. Das Zeitlimit ist sehr großzügig angesetzt. Man musste das Ziel am nächsten Tag um Mitternacht erreichen.
Irgendwann wurde es dunkel und die Lampen wurden eingesetzt. Manche hatten ein mickriges Rücklicht, André seine Beleuchtung war so stark, das sie blendete. Die Abfahrten waren mit dem Regen und der Dunkelheit ein Glücksspiel - einfach dem Rücklicht des Vordermannes hinterher. Die Bremsen mussten durch den hohen Verschleiß nachgestellt werden. Die Schaltung ging auch schwerfällig. Aber der Wetterbericht hatte ja für den nächsten Tag schönes Wetter gemeldet und so klarte es nachts um 2:00 Uhr auf. Mit dem Aufklaren sank die Temperatur nahe der Null-Grad-Grenze. Aber so richtig kalt wurde es trotz nasser Klamotten bei der Geschwindigkeit nicht. Nur die Finger waren schon so klamm, dass El Patrone nicht mehr schalten konnte. Die nachlassende Kraft war natürlich auch ein Grund. Es kam Nebel auf und die Geschwindigkeit wurde kurzzeitig aber nicht nennenswert heruntergefahren. Durch die Anspannung bekam El Patrone starke Nackenbeschwerden. Irgendwann gab es durch beide Arme wie elektrische Schläge und mit diesem Moment waren die Handflächen und Fingerspitzen taub. Andere berichteten aber ähnliches und so ließ er sich nicht weiter beunruhigen. Erst um 5:30 Uhr ereilte El Patrone die Müdigkeit. Normalerweise kam dies bei den Langstreckenfahrten immer schon viel früher. Es passierte auf einem weniger spektakulärem, flachen Streckenabschnitt, wo man so mit 40km/h dahin rollte. Sein Kopf fiel immer herunter und er schüttelte sich jedes Mal wie ein nasser Hund. Michael bemerkte sein "Problem", fuhr neben ihn auf und sagte "Bist müd, gell?". El Patrone würgte nur ein leises "Ja" heraus. "Unterhalten wir uns ein bisschen, dann geht's gleich besser!" meinte Michael. El Patrone hob nur sein Kopf und versuchte sich abermals wachzuschütteln. "Was arbeitest Du denn?"... Mit diesen und unzähligen weiteren Fragen verhalf Michael unserem El Patrone durch das Müdigkeitsloch. Dafür ist er ihm heute noch dankbar. Nach 20Min. war er wieder hellwach. Die 600km hatten sie jetzt schon voll, aber das Ziel war noch 50km entfernt. Das war das kleinere Übel. Gemein waren die 6 "Schweinehügel" mit bis zu 13% und 1,5 km Länge. Es wäre viel einfacher gewesen, die restliche Strecke durch das Tal entlang zu führen. Eine Geheimkontrolle käme hier für Abkürzer genau richtig. Am letzten Schweinehügel wurde noch die "Krone" herausgefahren. El Patrone konnte hier nicht mit eingreifen, aber immerhin blieb sie im Landkreis Fürth :-)

Es war das Härteste was er jemals mit dem Rad bestritten hat. Es kam alles zusammen: die flotte Geschwindigkeit, 18 Stunden Regen, die Kälte, der Hungerast zu Beginn, die kraftlosen, klammen und tauben Finger, die nur noch ein Schalten mit dem Daumen möglich machten, die Nackenschmerzen, durch die angespannte Haltung, er war einfach völlig im Eimer, v. a. aber mental. In jeder Hinsicht ist er über seine Grenzen gegangen...
Im Ziel hielt er sich nur kurz auf, fuhr die eine Stunde Anfahrt mit dem Auto nach Hause und stand nach 3 Stunden Schlaf optisch ganz fit im Keller, um das Rad eines Freundes urlaubstauglich zu machen. Was tut man nicht alles für seine Freunde ;-) Abends wurde der Mengenrekord in unserem fränkischen Stammlokal gebrochen: 1 Megaschnitzel und 2 fränkische Bratwürste mit Kartoffelsalat.

Was muss das nächste Mal besser gemacht werden?

  • Zum einen wird sofort eine optische Radbrille angeschafft. Mit Kontaktlinsen ist das eine Quälerei bei Regenwetter.
  • Das Tempo ist auf 1200km für ihn definitiv nicht mehr drin.

  • Die Übersetzung 34-25 war teilweise grenzwertig, da permanent hohe Geschwindigkeit, nasse Klamotten und etwas Gepäck = 5-6kg mehr an Körper und Rad.

  • Knieschmerzen

  • nur eine Wunde Stelle am Sitzfleisch

Jörg und Michael fahren eine Woche später den nächsten 600er in Südbayern. El Patrone ließ das Rad erst mal über eine Woche im Keller stehen, bis es in den Urlaub ging. Die Nackenschmerzen ließen nur langsam mit Hilfe von Medikamenten nach. Inzwischen schwört er auf Vitamin B. :-)

Die Fakten:
650km, 5980hm, 29,3 Schnitt

Schneemann

Sonntag, August 12, 2007

Die 400er Quali...


musste El Patrone in Südbayern (Unterwössen) am 12.5. absolvieren, da ihm ein Messetermin eine Teilnahme in Osterdorf unmöglich machte. Das war dann schon mit größerem Aufwand verbunden. Am Freitag Anreise, Samstag die Quali, Sonntag dann wieder Richtung Heimat.

Aber das Wetter meinte es schon wieder gut. Somit war ein tolles Alpenpanorama sicher. Die Organisation war wie in Osterdorf bestens, aber die Veranstaltung wesentlich kleiner. Dadurch kam auch nicht so schnell Dynamik auf. Jörg war zur Überraschung von Jürgen wieder mit von der Partie und so war Weg suchen wieder Fehlanzeige. Er erzählte, dass er alle Qualifikationen doppelt fährt - als Vorbereitung sozusagen. ;-) Tja, es gibt eben immer noch Steigerungen...

Start war früh 8 Uhr. Nach 3km waren El Patrone, Jörg und Bernhard allein. In gewohnter Manier ging es zum Pass Thurn hinauf. Der Gerlos und Aachenpass standen ebenfalls auf dem Plan. Am Aachenpass fuhren die drei eine "Abkürzung" mit 18% Steigung, die sogar Jörg zum Staunen brachte. El Patrone testete bei dieser Quali das erste Mal sein Crossrad mit Rennrad-Bereifung, da ja Licht inzwischen ein Thema war. Schließlich musste man bei 400km davon ausgehen, in die Dunkelheit zu geraten. Die Übersetzung von 34-25 kam ihm hier natürlich auch entgegen.
Sehr lobenswert bei dieser Veranstaltung, dass die Kontrollstellen nicht ausschließlich Tankstellen waren. El Patrone konnte Jörg und Bernhard von einer Einkehr am Kontrollpunkt in einem Biergarten in Wallgau mit Blick auf Zugspitze überzeugen, was sicherlich trotz traumhafter Kulisse nicht einfach war, weil Jörg immer ein Augenmerk auf die Uhr hatte. Aber heute war alles anders. Kleinere Veranstaltung, 3er-Gruppe, das schöne Wetter, die Landschaft,... Bei der ersehnten Einkehr gab es dann ein gutes Spaghetti-Mahl mit entsprechenden alkoholfreien Elekrolythen und Kuchen. Das kam El Patrone natürlich sehr entgegen. Er fühlte sich super und hatte heute alles im Griff. Keine Krämpfe und die Geschwindigkeit konnte problemlos gehalten werden.
Es ging weiter durch die Jachenau Richtung Miesbach, Rosenheim und abschließend zur Raststätte Seebruck mit nochmaliger Einkehr mit Blick auf Chiemsee und die Alpen. Danach der Showdown - eine Stunde Weiterfahrt im Dunkeln mit Licht. Das hatte dann schon was Abenteuerliches.

Fazit: Super Veranstaltung - eine Mischung aus Osterdorf und Südbayern ist lohnenswert.

Noch ein paar Ausführungen zu den Typen, die da so am Start sind.

Bernhard ist ein Freund von Jörg und er erzählte, dass er bei der 300er Quali in Osterdorf nachts um 2 Uhr aufgestanden ist, um von München aus mit dem Rad zum Start zu fahren. Trotz der 150 Mehrkilometer fuhr er in der ersten Gruppe mit. Leider verpasste er aus Sorge vor einem Sonnenbrand die Speedgruppe, konnte das Peloton aber noch sehen und versuchte eine halbe Stunde (!) lang ranzukommen - vergeblich.

Er erzählte von seinem "Marathontraining", welches er beim Spazierengehen mit seinem Hund absolviert. Immerhin springt dabei noch eine Zeit von 3:38h heraus!

Bernhard ist ein echter Gewinn - super Typ. Schade, dass er nicht in Mittelfranken wohnt. Das nächste Treffen gibt es erst in Paris.

Erwähnenswert war auch die sehr bemühte Wirtin in der Pension "Wimmer" (nähe Start).

Ein rundum gelungenes Wochenende! Scheee...

Die Fakten:
400km, 3700hm, 30,6 Schnitt

Schneemann